
Schlüsselereignisse - die mich beeinflusst haben
Prag – 21. August 1968
Ich (15) war gerade von der 9. in die 10. Klasse versetzt – die Sonne brannte – meine Eltern hatten mich Kartoffeln buddeln (ernten) geschickt. Auf dem Acker hörte auf dem sowjetischen Kofferradio „Alpinist2“ die RIAS-Nachricht vom „Einmarsch der Russen“ in Prag. Ängstlich raste ich mit dem nach Hause – wird es Krieg geben? Ich hatte Angst!
In der „Jungen Gemeinde“ redeten wir leise darüber – auf dem lauten Schulappell hieß es „der Konterrevolution wurde ein Schlag versetzt“…
Kniefall von Warschau 1970
Ich: 17 Jahre, 2. Lehr- und Abiturjahr, politisch unbedarft... Westfernsehen "ergänzte" Staatsbürgerkunde-Unterricht...
Alle Politiker westlich der Elbe - einschließlich Willy Brandt - waren "böse Bonner Ultras"....
Willy Brandts Kniefall am 07.12.1970 hat Fragen aufgeworfen - bewusstes Wahrnehmen war es noch nicht...
... ich begann, Fragen zum Holocaust zu stellen
und bekam weder in der Schule noch in der Kirche Antworten
Militärputsch in Chile 1973
Lehrerstudent zu Beginn des 2. Studienjahres, befand mich im obligatorischen militärischen Wehrlager in Groß Köris.
11. September: uns erreichte uns die Nachricht vom Putsch in Chile. Noch im Sommer hatte ich die Chilenische Delegation zu den X. Weltfestspielen in Berlin hautnah erlebt. Viele Chilenen waren nun interniert oder umgebracht. Davon berührt gründeten 2 Kommilitonen und ich die Singegruppe "manifest", die Soli-Veranstaltungen für Chile gestaltete.
Stasi und RAF - Erkenntnisse 1990
Als Lehrer ab 1976 und ab 1981 als FDJ-Funktionär war ich von den humanistischen Grundlagen der DDR überzeugt. Noch in der Wendezeit 1989 räumte ich dem "realen Sozialismus" eine Zukunft ein, weil ich ihn für das bessere System hielt.
Fassungslos sah 1990 ich die nebenstehenden Nachrichten. Ich trat aus der SED aus und verordnete mir eine 10-jährige parteipolitische Abstinenz - die ich auch durchhielt.

